Die aktuelle Forschungszielsetzung in diesem Bereich ist es, computergestützte Lehrsysteme mit "Intelligenz" zu versehen. Das bedeutet vor allem, die Situation Lehrer-Schüler möglichst wirklichkeitsgetreu zu modellieren.
Entscheidend für eine angemessene Modellierung der Lernsituation ist die
möglichst realistische Nachbildung der Fähigkeiten eines menschlichen Lehrers.
Klassische intelligente Lehrsysteme (ILS)
unterscheiden dabei Fähigkeiten aus vier Bereichen:
Das Sachgebietswissen des menschlichen Lehrers wird im sogenannten
Expertenmodul nachgebildet.
Diese Wissensbasis muß alle relevanten Informationen über den
Lehrstoff enthalten.
Dabei genügt nicht nur korrektes Wissen aus dem Sachgebiet.
Auch typische Fehler und Irrtümer des Studenten müssen bekannt sein,
damit sie in ihrer Schwere beurteilt, dem Studenten aufgezeigt und
schließlich Verbesserungen vorgeschlagen werden können.
Beim Erlernen der Synchronisation mit Semaphoren ist auch das Testen
und Debuggen ein wichtiger Teil.
Auch hierzu existieren Ansätze, wie man diesen Aspekt tutoriell
aufbereiten kann.
Das didaktische Wissen des menschlichen Lehrers wird im sogenannten
Tutormodul nachgebildet.
Diese Komponente eines ILS muß grundlegende Strategien für das
Vermitteln von Unterrichtsstoff kennen, z.B. die Art des Vorgehens
anhand von Übungsaufgaben,
das Veranschaulichen von Lehrinhalten durch die Wahl richtiger Beispiele
oder die Wahl des Zeitpunkts für Hilfestellungen.
In SYPROS hängt die Art und der Zeitpunkt der Interaktion mit dem
Lernenden während der Bearbeitung einer Aufgabe vom Wissensstand
und der Erfolgsdisposition des Studenten ab. Je nach Lernertyp wird
eine passende Lehrstrategie gewählt.
Die Weiterentwicklung der Komponente zur Lernzielstrukturierung und
Steuerung des Lernweges erfolgt in Kooperation mit der
FU Berlin.
Das Wissen des Lehrers über den Studenten, d.h. über seinen
Kenntnisstand und seine Arbeitsweise, sind in einem ILS im
Studentenmodul enthalten.
Diese Komponente zeichnet Informationen darüber auf, in welchem
Umfang der Student die Wissenselemente des Lehrgebiets beherrscht,
welche Besonderheiten seine Arbeitsweise hat und welchem Lernertyp
er zuzuordnen ist.
Diese Modellierung stellt die Basis dar, auf der im Tutormodul
Entscheidungen über die Gestaltung des Unterrichts getroffen werden.
SYPROS verwaltet diese Informationen in einem Arbeitsmodell für die
Modellierung des Lerners bei der Bearbeitung der aktuellen Aufgabe
und einem Langzeitmodell für alle früher bearbeiteten Probleme.
Schließlich muß ein intelligentes Lehrsystem noch über die
Möglichkeit verfügen, Wissen in verständlicher Form zu präsentieren.
Dies leistet das Kommunikationsmodul.
Dabei stellt die graphische Veranschaulichung von Problemen, eventuell
durch bewegte Bilder, eine Lernhilfe dar, die unter Umständen die
Möglichkeiten des konventionellen Unterrichts übertrifft.
SYPROS bietet Fenster zum Edieren der Prozesse und zum Simulieren von
Abläufen.
Daneben existiert die Möglichkeit einer graphischen Animation von
Abläufen.
Außerdem kann das theoretische Wissen zum Sachgebiet in einer
adaptiven Hypertext-Komponente nachgelesen werden.
Um die von dem System angebotenen Hilfen besser koordinieren und
an den bisherigen Dialog anpassen zu können, wird versucht, die
vier Module von SYPROS noch stärker zu integrieren.
Dazu soll zusätzlich Wissen über die Korrelationen in einem
Lehrsystem und Wissen über den Dialogablauf repräsentiert werden.
Um die in SYPROS entwickelten Konzepte zu validieren und zu erfahren,
welche Möglichkeiten sich zusätzlich in anderen Sachgebieten ergeben,
wird parallel das Lehrsystem POINTRA entwickelt, das die Programmierung
mit Zeigern in Pascal zum Gegenstand hat.
Neben dem Lehren des korrekten Programmierens kann hier auch durch
die Repräsentation von Programmvarianten im Ziel-Plan-Baum
der Programmierstil diskutiert werden.
Das intelligente Lehrsystem SYPROS, das derzeit am Lehrstuhl entwickelt
wird, ist für den Einsatz auf dem Lehrgebiet "Synchronisation
paralleler Prozesse mit Semaphoren" konzipiert.
Das für die Synchronisation grundlegende Konzept der Semaphore nach
Dijkstra wird in SYPROS beispielhaft anhand von kooperierenden
Prozessen eingeübt.
In SYPROS besteht das Expertenmodul einerseits aus einer Wissensbasis
aus Zielen und Plänen, aus der zu jeder Aufgabe automatisch ein
sog. Ziel-Plan-Baum generiert werden kann, der einen korrekten
Lösungsansatz bzw. weit verbreitete Fehler in der speziellen
Aufgabe beschreibt.
Mit Hilfe dieses Baumes kann die Lösung des Studenten
diagnostiziert werden, d. h. er repräsentiert zu jedem Zeitpunkt
den aktuellen Stand der Problemlösung.
Außerdem ist es möglich, verschiedene Hilfestellungen für den
Studenten, wie die korrekte Lösung, eine Erklärung der Lösung,
Fehlererklärungen, einen Hypothesentest, der überprüft, ob
Teile der Aufbabe bereits richtig sind, und Gegenbeispiele aus den
Informationen im Ziel-Plan-Baum abzuleiten.
Andererseits kann für Aufgabenstellungen oder Lösungsansätze, die mit
der Wissensbasis nicht zufriedenstellend bearbeitet werden können,
in einer zweiten Analysephase festgestellt werden, ob darin noch ein
Fehler enthalten ist.
Dieser kann dann gegebenenfalls in einem Beispielablauf aufgezeigt,
jedoch nicht mehr erklärt werden.
Zum InTuSys-Projekt
Zum Lehrstuhl Prof. Paul
Meike Gonschorek, 1994-02-09, 1997-08-05 Christian Herzog, 1997-10-24